GESCHICHTE DES BOBSPORTES


Davos und St. Moritz gebührt die Ehre der Einführung des „Bobsleigh“. Diese Sportart hatte als Ursprung 1886 die Idee, zwei Skeletonschlitten aneinander zu binden und damit auf vereisten Straßen zu Tal zu fahren.
1889 fand, laut dem Guiness-Buch der Rekorde, das erste bekannte Bobrennen auf der Straße von St. Moritz nach Celerina statt. Es gab damals Vierer-, Fünfer-, Sechser-, Siebener- und Achterschlitten. Bei den 3er-Bobs war eine Dame, bei den größeren Bobs waren zwei Damen und beim 8er-Bob sogar drei Damen Pflicht an Bord.

Früher bewegte die gesamte Bobmannschaft den Schlitten. Mit dem ruckartigen Vorwärtsschnellen und dem langsamen Zurücknehmen des Oberkörpers, das jeder Fahrer der Mannschaft auf Kommando des Steuermanns während der vollen Fahrt im Gleichtakt zur Fahrbeschleunigung auszuführen hatte, kommt der Name „BOBSLEIGHING“.

engl. „to bob“ heißt „schnellen, vorwärtsschnellen“
engl. „sleigh“ bedeutet „Schlitten“.

Bob ist die Kurzform des engl. BOBSLEIGH à RUCKSCHLITTEN!!!
CAMINADA Paul (1986). Wintersport. Entstehung und Entwicklung: St. Moritz, Davos, Arosa, Klosters, Flims. (Desertina-Verlag)
Foto: Archiv Brucker und ONST, entnommen aus:Olympisches Feuer 1986

Mit dem Aufkommen moderner Bobkonstruktionen mit aerodynamischer Haube und Startbügel war das sogenannte „bobben“ nicht mehr von Nöten. Umso mehr musste sich der Fahrer mit viel Gespür dem Rhythmus der Fahrt anpassen.

Als das Gesamtgewicht der Mannschaft des Bobs früher noch unbeschränkt war, entschied das Gewicht sehr oft über Sieg und Niederlage. Je schwerer man war, desto schneller. So hatten die deutschen Bobfahrer bei den Olympischen Spielen 1952 in Oslo (auch gleichzeitig Weltmeisterschaft) nach dem Motto gehandelt „lasst dicke Männer um mich sein“, und gewannen mit ihren „Dicken“ die Goldmedaille im 2er und im 4er-Bob. Seit Einführung des Gewichtslimits Mitte der 60iger Jahre (2er-Bob 390kg, 4er-Bob 630kg) geben immer mehr drahtige und spurtschnelle Fahrer den Ton an, und über Sieg und Niederlage entscheiden nun zunehmend Kraft und Kondition am Start und auch die Berechnung, Präzision und das Gefühl des Steuermanns, den Bob auf der Ideallinie ins Ziel zu steuern. Ebenso wichtig ist auch die Technik des Kurvenfahrens, denn jede Kurve auf den verschiedensten Bahnen ist anders gebaut und hat ihre besonderen Tücken und Eigenheiten.
Immer wieder tritt die Frage auf, was entscheidend ist, die Mannschaft oder der Schlitten? Trotz aller technischer Neuerungen der verschiedenen Bobkonstruktionen bleibt letzten Endes auch in dieser Sportart der wichtigste Faktor DIE MANNSCHAFT – DER MENSCH!!!

1910 schrieb der St. Moritzer Kurgast Dr. Nolda:
„Eiserne Nerven, eine unerschütterliche Ruhe, Geistesgegenwart, Kaltblütigkeit und schnelle Entschlussfähigkeit sind unentbehrlich einen Bob als Steuermann zu führen. Er muss mit stets gespannten Lenkseilen das vordere drehbare Kufenpaar konstant in Fühlung haben und den Schlitten so weich führen wie ein gut gerittenes Pferd. Auch der Bremser muss gut aufpassen und dieselben Eigenschaften besitzen wie der Steuermann...Der Bremser und der Steuermann sind vielmehr vollwertige Teile des Ganzen und ein eingespieltes Bobteam ist, streng genommen, eine sportliche Einheit“
CAMINADA Paul (1986). Wintersport. Entstehung und Entwicklung: St. Moritz, Davos, Arosa, Klosters, Flims. (Desertina-Verlag))

Foto: 75 Jahre FIBT 1923-1998
  • 16.12.1909 wurde laut Schweizer Archiv die 1600 Meter lange Bobsleighbahn in Gossensass angelegt, auf der vom 30.12.1909 bis 2.1.1910 sportliche Bobveranstaltungen abgehalten wurden, an denen auch Damen teilnahmen
  • 1923 wurde die FIBT (Federation Internationale de Bobsleigh et de Tobogganing) in Paris gegründet
  • 1924 bei den Olympischen Spielen in Chamonix (FRA) starteten zum ersten Mal Männer im 4er-Bob
  • 1928 auf einem Kongress beschlossen die Delegierten Frauen von Meisterschaftsrennen auszuschließen
  • 1932 bei den Olympischen Spielen in Lake Placid (N.Y./USA) gab es das erste Mal ein 2er-Bobrennen der Herren
  • Damenbobsport war Jahrzehnte lang kein Thema mehr, bis die Tschechoslowakei (1955) und Frankreich (1975) vergeblich versuchten Frauen wieder zuzulassen
  • Beginn der 90iger Jahre wurde der 2er-Bob der Damen bei einem FIBT-Kongress offiziell eingeführt



Es ist also nichts Neues in der Bobgeschichte, dass Frauen mit dem Bob fahren.

Das erste offizielle Weltcuprennen der Damen wurde 1998 in Calgary (CAN) mit 7 teilnehmenden Nationen durchgeführt. Die ersten Weltmeisterschaften im Damenbob fanden im Feber 2000 in Winterberg (GER) mit 21 Schlitten aus 11 Nationen statt. Im Jahre 2001 in Calgary (CAN) nahmen bereits 28 Schlitten aus 17 Nationen bei der WM teil, darunter 1 Schlitten aus Österreich (Zeuner/Schmid).

Der Internationale Verband (FIBT) steht voll hinter dem Damenbobsport und befürwortete die Aufnahme in das Olympische Programm noch bevor der Entscheid seitens des IOC erfolgte.

Die Exekutive des IOC beschloss am 2.Oktober 1999 die Einführung neuer Disziplinen für die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City (Utah/USA), darunter auch Damenbob.
Quelle: Erica Fischbach (ehemalige Bobsportlerin)